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Der kritische Blog von Dieter L. Schmich


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Montag, 20. Februar 2012
Das Antlitz der Korruption ist die Legalität

Von Dieter L. Schmich
„Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird“, so Wulff in seiner Rücktrittsrede. Will dieser arme Mann nicht verstehen, was wir ihm vorwerfen oder ist er Teil einer ganzen Politikergeneration, die gar nicht mehr in der Lage ist, den Unterschied zwischen „Annehmlichkeiten genießen“ und „Korruption“ zu begreifen. Oder ist der Anspruch der heutigen Amtsinhaber auf ein Niveau gesunken, dass es heute schon ausreichend ist, lediglich das Gesetz nicht gebrochen zu haben?

Selbstverständlich bilden seit Menschengedenken soziale Netzwerke die Grundlagen des Zusammenlebens. Insbesondere die Tatsache, dass weit über 50 Prozent aller freien Stellen heute durch persönliche Kontakte vergeben werden, ist nur ein Beispiel unter vielen, dass die Bevölkerung wieder näher zusammenrückt und sich gegenseitig unterstützt. Warum auch nicht? Es ist durchaus rechtschaffend, wenn wir familiäre oder soziale Beziehungsgeflechte nutzen, um Vorteile zu erhalten. Doch ab wann sind das keine Annehmlichkeiten mehr und wo beginnt die Korruption? Als Autor eines einschlägigen Buchs werde ich natürlich immer wieder darauf angesprochen. Das Ganze wäre doch eine Gratwanderung, sagt man mir immer wieder. Dem stimme ich nicht zu! Es gibt nämlich eine eindeutige Instanz, die uns klarmacht, wann wir Grenzen überschreiten: Unser Gewissen. Werde ich beispielsweise bezahlt, weil ich beauftragt bin, die Interessen einer Bevölkerung zu vertreten, sagt doch allein schon unser gesunder Menschenverstand, dass ich dann nicht gemeinsame Sache mit der Wirtschaftslobby machen kann. Das Ganze gehört zu einem Thema, das in einer intellektualisierten Gesellschaft nur schwer diskutierbar ist, schließlich geht es um eine innere Stimme, die man zum Beweis nicht mit dem Tonband aufnehmen kann. So war es nicht verwunderlich, dass sich besonders die Presse schwer tat, eindeutige Argumente gegen Wulff vorzulegen. Doch wie können Journalisten argumentieren, um nicht Gefahr zu laufen, den selbst auferlegten intellektuellen Pfad zu verlassen?

Vielleicht scheitern wir alle an einer überrationalisierten Gesellschaft, in der der gesunde Menschenverstand kein Stimmrecht hat. Auch unser Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, darf nicht mehr ausgesprochen werden, sonst laufen wir Gefahr, argumentativ zerrissen zu werden. Wir leben in der Ohnmacht, dass die Intuition dem sachlichen Beweis chancenlos unterlegen ist. Damit stellen wir den Wulffs, Guttenbergs und Özedemirs ein trojanisches Pferd zur Verfügung. So dürfen sie unsere Interessen mit Füßen treten und können im gleichen Atemzug beweisen, dass sie nichts Unrechtes tun. Wir gaben Ihnen das Werkzeug in die Hand, Korruption als legal darzustellen. Zudem haben wir ihnen erlaubt, den niedlichen Satz auszusprechen, Fehler gemacht zu haben. Wir sollten diesmal aufmerksamer sein, wenn der Nächste beginnt, von Fehlern zu sprechen....

Freitag, 27. Januar 2012
Tarifautonomie führt weiterhin zu Lohnverfall

Von Dieter L. Schmich
Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg (IAB) ist mittlerweile schon jeder fünfte Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage, sein Leben mit Arbeiten ausreichend finanzieren zu können. Zum Niedriglohnsektor wird folgendes Fazit gezogen (IAB-Newsletter 01/2012): "..... In nur elf Jahren verzeichnet man hierzulande einen Anstieg um über vier Prozentpunkte oder um rund ein Viertel auf knapp 19 Prozent. Der Anstieg findet sich in fast allen Berufsbereichen und in vielen Wirtschaftszweigen. ..... Auffällig ist jedoch, dass auch viele Personen mit berufsqualifizierendem Abschluss in diesem Bereich zu finden sind. ..... So gesehen geht der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft mit einer zunehmenden Niedriglohnproblematik einher."

Vor diesem besorgniserregenden Hintergrund verwundert es doch sehr, dass in diesem Monat im Bundestag der Antrag auf einen gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn mal wieder abgeschmettert und das x-te Mal auf die Errungenschaft der Tarifautonomie verwiesen wurde. Demnach soll die Festlegung von Mindestlöhnen den Tarifparteien überlassen bleiben. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sollen eigenverantwortlich die jeweiligen Tarife festlegen. Es stellt sich allerdings die Frage, welchen Anteil des Arbeitsmarkts diese beiden Institutionen eigentlich repräsentieren.

Tarifverträge gelten nur dann für Unternehmen, wenn diese ein (tarifbindendes) Mitglied eines Arbeitgeberverbandes sind. Leider ist dies beim Gros aller Unternehmen nicht der Fall. Tarifautonomie bedeutet bei uns also, dass Institutionen etwas aushandeln, das für die Gesamtheit aller Unternehmen überhaupt nicht bindend ist. Dies ist sozusagen der gesetzlich legitimierte Freibrief für die Wirtschaft, um Beschäftigte in Sachen Gehalt gegeneinander ausspielen zu können. Jeder Personaler weiß nur zu gut, dass er für bestimmte Tätigkeiten irgendwann und irgendwo einen Bewerber finden wird, der es noch billiger macht. Dem Lohnverfall ist so Tür und Tor geöffnet, was die Fakten beweisen.

Summa summarum sind Lohnverhandlungen zwischen Unternehmensverbänden und Gewerkschaften nichts anderes als eine Show, um uns eine funktionierende Tarifautonomie vorzugaukeln. Die Ablehnung eines gesetzlich festgelegten Mindestlohns ist mal wieder ein geschickt verpacktes, großzügiges Bonbon für die Wirtschaftslobby. Dies ist vor dem Hintergrund der derzeitigen Wulff-Diskussion gut nachvollziehbar: Falls unabhängige, mutige Journalisten weiter in diesem Sumpf bohren, werden sicher in nahezu allen politischen Bereichen Korruptions-Netzwerke in einer derartigen Größenordnung zum Vorschein kommen, die wir alle bisher für undenkbar hielten. Wir haben es wohl mit einem Flächenbrand einer ganzen Politikergeneration zu tun, die unter ihrem Arbeitsalltag eher die aktive Akquisition von Parteisponsoren (früher: Parteispenden) und persönlichen finanziellen Vorteilen verstehen, anstatt die Interessensvertretung ihrer Wähler.

Dienstag, 13. Dezember 2011
Burnout: Egoinfarkt, Veränderungsphobie oder keine andere Wahl?

Durch den aktuell positiven Arbeitsmarkt wird es für viele Unternehmen immer schwieriger qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die Hauptursachen dafür sind bekannt: Der demografische Wandel macht sich immer deutlicher bemerkbar. Jahr für Jahr gibt es zirka 600.000 weniger Menschen im Alter zwischen 15-45 Jahren und diese gewaltige Zahl wird sich in den nächsten Jahren dramatisch erhöhen. In bestimmten Branchen hat unter den Arbeitgebern der harte Kampf um die besten Bewerber bereits begonnen. Diese Entwicklung wird sich künftig auch auf andere Tätigkeitsbereiche ausdehnen. Auch wenn nicht alles Gold ist was glänzt, so gab es doch in den letzen zehn Jahren keine vergleichbaren positiven Rahmenbedingungen, zumindest für qualifizierte Arbeitnehmer.

Umso erstaunlicher ist es, dass ich als Jobcoach mittlerweile nahezu täglich mit Menschen konfrontiert werde, die unter einem Burnout-Syndrom zu leiden haben. Selbstverständlich sind unzählige, unterschiedliche und vor allem sehr spezifische Faktoren dafür verantwortlich, warum Berufstätige in eine solche Situation geraten. Es ist jedoch sehr auffällig, dass die zahlreichen, teils dramatischen Leidensgeschichten der Betroffenen, sich in einem Punkt immer wieder ähneln: Nahezu alle haben frühzeitig bemerkt, dass sie langsam aber sicher Arbeitsbedingungen akzeptierten, die ihnen alles andere als gut tun. Nach einer gewissen Zeit waren sie sogar der felsenfesten Überzeugung, dass sie früher oder später zusammenklappen würden, falls sie an ihrer aktuellen Tätigkeit festhalten. Auf meine Frage hin, bei welchen anderen Unternehmen sie sich zu der Zeit beworben hätten, um zumindest die Chance zu wahren, ihre Situation zu ändern, war die Antwort immer wieder die gleiche: „...bei keinen.“. Sie hätten keine größeren Bemühungen unternommen, um den Arbeitgeber auszutauschen, um so vielleicht bessere Arbeitsbedingungen vorfinden zu können.

Warum tun sich das Menschen an, sehenden Auges dem Abgrund entgegenzutreten, obwohl es im gleichen Zeitraum einen derart positiven Arbeitsmarkt gibt, auf dem die Chancen einen besseren Job zu finden, seit langem nicht mehr so günstig waren wie heute. Warum haben solche Personen, zu einem Zeitpunkt als sie mental noch dazu in der Lage waren, noch nicht einmal eine einzige Bewerbung versendet?

Vielleicht aus denselben Gründen, weshalb sie unter einem Burnout-Syndrom leiden. Möglicherweise geht es aber auch nur um simple Eitelkeiten, wie z.B. um die rücksichtslose Durchsetzung von Erfolg auf Kosten der Seele? Oder haben sich solche Menschen im Laufe der Jahre derart viele Abhängigkeiten aufgebaut, sodass sie sich selbst allen Handlungsfreiheiten beraubt haben und nun als Sklave ihres eigenen Lebens dahinvegetieren? Goethes „Faust“ lässt grüßen...

Dienstag, 25. Oktober 2011
Euro-Rettungsschirm: Wissen wir eigentlich wen oder was wir retten?

von Dieter L. Schmich
Gebetsmühlenartig wiederholen Politiker, dass es insbesondere für unseren Export wichtig sei einem gewaltigen Euro-Rettungsschirm zuzustimmen. Nur so könne unsere Volkswirtschaft gerettet werden. Boomt die Wirtschaft, gäbe es genug Arbeitsplätze und schließlich wäre dann alles gut.

Klingt plausibel, entspricht allerdings nicht ganz der Realität: Erstens kommen die enormen Gewinnsteigerungsraten der Unternehmen, also unser Wirtschaftsboom, schon seit vielen Jahren nicht mehr beim Gros der Bevölkerung an (das Durchschnittseinkommen der breiten Masse ist sogar gefallen) und zweitens können Arbeitsplätze kein Grund mehr sein, um irgendwelche Kompromisse machen zu müssen. Diese Aussage wird vielleicht so manchen verwundern, doch das Gespenst der Massenarbeitslosigkeit gehört der Vergangenheit an. Demografische Faktoren sind dafür verantwortlich. Die Spitzen der geburtenstarken Jahrgänge lagen in den Jahren 1962-1965. Danach fielen die Geburtenraten dramatisch ab. Wir befinden uns also mitten in einem Konsolidierungsprozess. Die Unternehmen können schon heute Tausende offener Stellen und insbesondere Ausbildungsplätze mangels Masse nicht mehr besetzen. Und das ist erst der Beginn dieser Entwicklung! Die Angstmacherei mit einer drohenden Massenarbeitslosigkeit ist also mehr als scheinheilig. Und das wissen Politiker nur zu gut, schließlich kommen die demografischen Zahlen direkt vom statistischen Bundesamt. Wir müssen also nicht mehr zittern. Aufgrund der schrumpfenden Bevölkerung werden Arbeitsplätze in Zukunft immer ausreichend vorhanden sein, und zwar unabhängig davon wie unsere Wirtschaft läuft. Und von den gewaltigen Vermögenszuwächsen der Kapital- und Unternehmenseigner aufgrund enormer Exporterfolge profitieren eh die wenigsten Bundesbürger.

Oder retten wir vielleicht gar nicht unsere Wirtschaft, sondern vielmehr unsere Spareinlagen? Auch das wäre problemlos möglich, und zwar ohne EU-Staaten oder Banken mit unseren Steuergeldern finanzieren zu müssen. Merkel & Co. deuten immer wieder an, dass sich unsere privaten Spareinlagen in Luft auflösen würden, wenn zu viele systemrelevante Banken pleitegehen. Dies führe zu einem Flächenbrand, der unvorhersehbare Konsequenzen zur Folge haben könnte. Stellt sich nur die Frage, um welche Spareinlagen geht es denn da eigentlich? Es wird geschätzt, dass zirka 5 Billionen Euro Privatvermögen bei Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Bausparkassen angelegt sind. Allerdings vermutet man, dass 90 Prozent dieses gewaltigen Vermögens in der Hand von nur 10 Prozent der Bevölkerung ist. Das Gesamtvermögen der breiten Masse wäre dann recht übersichtlich. Demnach könnte mit einem einmaligen 500-Milliarden-Rettungsschirm die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung abgesichert werden. Natürlich ist das eine gewaltige Zahl - das wäre es dann aber auch gewesen. Deutschland könnte dies durchaus schultern. Damit wären wir durch die Banken nicht mehr erpressbar und die Regierung nicht nur frei in ihren Entscheidungen, sondern hätte zudem die überwiegende Mehrheit der gesamten Bevölkerung vor einem großen finanziellen Schaden bewahrt.

Kurzum: Von der Anzahl von Arbeitsplätzen sind wir heute nicht mehr in dem Maße abhängig wie in den 1990er und 2000er Jahren. Speziell aus diesem Grund benötigen wir schon einmal keinen Euro-Rettungsschirm. Die Spareinlagen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung könnten ebenso simpel abgesichert werden. Wo ist also das Problem?

Oder geht es vielleicht doch darum, dass wir alle dazu verdonnert werden, die Vermögenswerte einer Minderheit, die über 90 Prozent aller Spareinlagen besitzt, zu retten? Oder sollen wir alle die traumhaft hohen Gewinne der Konzerne retten, damit diese auch weiterhin durch großzügige Spendenzahlungen die großen Parteien finanzieren können? Oder geht es nur um Eitelkeiten von Politikern, die als "vorbildliche Europäer" in die Geschichtsbücher eingehen möchten und bereit sind, dafür die finanzielle Existenz eines ganzen Volkes aufs Spiel zu setzen? Wer weiß...

Sonntag, 11. September 2011
Stellt Euch vor, es gibt Zeitarbeit und keiner geht hin...

Von Dieter L. Schmich
Stecken hinter allen Stellenanzeigen von Zeitarbeitsunternehmen auch immer offene Arbeitsstellen? In meiner täglichen Arbeit als Job-Coach muss ich diese Frage immer häufiger mit einem klaren Nein beantworten. Ich beobachte seit Monaten, dass Jobsuchende von Zeitarbeitsunternehmen zu Vorstellungsgesprächen gelockt werden und dann stellt sich heraus, dass es entweder um andere, geringwertigere oder gar keine konkreten offenen Positionen geht. Was sind wohl die Hintergründe für diese scheinbar unsinnige Vorgehensweise?

Die Zeitarbeitsbranche steckt in einem harten Verdrängungswettbewerb. Zudem gehen Ihnen durch die aktuell positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt langsam die Bewerber aus. Die Güte aller Zeitarbeitsunternehmen wird allerdings von ihren Auftraggebern, den herkömmlichen Betrieben, umso höher eingeschätzt, je mehr potenzielle Bewerber nachgewiesen werden können. Je mehr vermeintliche Arbeitskräfte in der Datenbank vorhanden sind, umso besser sind neue Unternehmen als potenzielle Auftraggeber zu akquirieren (oder können konkurrierende Personalleasingsfirmen, die dort bereits im Geschäft sind, verdrängt werden). Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum Jobsuchende mit fingierten Stellenangeboten geködert werden, um an ihre Bewerberdaten heran kommen zu können. Man kämpft derzeit mit allen Mitteln um das Überleben. Die Zeitarbeitsbranche ist also angeschlagen und beginnt sich selbst zu zerfleischen.

Jetzt wäre doch ein guter Zeitpunkt gekommen sich dieser allseits ungeliebten Erscheinung des heutigen Arbeitsmarktes zu entledigen. Zudem auch viele Betriebe und Unternehmen mittlerweile umdenken und selbst drauf kommen, dass sich mit ausgeliehenem Personal gute Arbeitsergebnisse und eine loyale Unternehmensbindung verständlicherweise nur bedingt realisieren lassen. Dass Mitarbeiter, die eine Zeitarbeitsstelle inne haben, selbst keine Vorteile durch solche Arbeitsverhältnisse haben, ist bekannt. Sie laufen zum einem nicht nur Gefahr die Güte ihres beruflichen Profils erheblich zu reduzieren (sind erst einmal zu viele Zeitarbeitsstationen im Lebenslauf vorhanden, lassen viele herkömmliche Arbeitgeber von diesen Bewerbern meist die Finger weg) und zum anderen ist es die letzten Jahre immer seltener geworden, dass Mitarbeiter/innen von Unternehmen, an die sie ausgeliehen wurden, in herkömmliche Arbeitsverhältnisse übernommen werden. Die Endlosspirale „Einmal Zeitarbeit - immer Zeitarbeit“ lässt grüßen.

Was wäre eigentlich, wenn sich gar niemand mehr bei Zeitarbeitsunternehmen bewerben würde? Oder diejenigen, die aktuell noch dort beschäftigt sind, die Gunst der Stunde nutzen und sich einen anderen, seriösen Arbeitsplatz suchen würden? Seit mehr als zehn Jahren war der Arbeitsmarkt nicht mehr so positiv wie heute. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt gekommen, den Job zu wechseln. Und machen wir uns klar, dass Personalleasing nur dann funktioniert, wenn es dafür Bewerber bzw. Mitarbeiter gibt, die diese Form des Arbeitens hinnehmen. Alle diejenigen, die gerade über Personalleasing angestellt sind und meinen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt keine anderen Chancen mehr hätten, sollten es dennoch versuchen. Es lohnt sich. Sie sollten das Heft in die Hand nehmen, sich nicht mehr bequem Stellenangebote auf dem Silbertablett servieren lassen, ihre Bewerbungsphase initiativ starten und endlich zu einem herkömmlichen Arbeitgeber wechseln.

Wie würde es dann wohl einer angeschlagenen Zeitarbeitsbranche ergehen, der nur wenige oder im besten Fall gar keine Bewerber und Mitarbeiter zum Verleihen zur Verfügung ständen? Zu was würden wohl Unternehmen und Betriebe gezwungen sein, wenn Sie ihre freien Positionen nicht mehr bequem über Personalleasing besetzen könnten? Diese beiden Fragen sind sicher leicht zu beantworten.

Sicher ist der aufgezeigte Ansatz sehr idealistisch geprägt. Dennoch lohnt es sich darüber nachzudenken: „Gäbe es für Zeitarbeit keine Bewerber, dann gäbe es keine Zeitarbeit!“

Donnerstag, 28. Juli 2011
Benötigen wir für einen attraktiven Arbeitsmarkt noch Großkonzerne?

von Dieter L. Schmich
Seit Jahren beobachte ich, dass der Arbeitsfrust in Unternehmen, die dem Prinzip des Shareholder-Values folgen, dramatisch ansteigt. Oder anders ausgedrückt, ich habe den Eindruck, dass die Anzahl der Großkonzerne, in welchen eine schlechte und zum Teil sehr negative Arbeitsatmosphäre herrscht, rasant anwächst.
Oft sind betroffene Mitarbeiter/innen der Meinung, nur ihnen ginge es so. Dass nur sie alleine sich täglich über die Arbeit ärgern. Dies ist keineswegs der Fall. Ich befürchte eher, dass dies eine flächendeckende Entwicklung innerhalb der Arbeitswelt ist. Wer könnte nun diese Fehlentwicklung stoppen? Die Massenmedien? Unwahrscheinlich - diese werden schließlich von Großkonzernen stark beeinflusst. Die Politiker? Ebenso unwahrscheinlich - Amtsinhaber sind zumeist das Sprachrohr von Lobbyisten, die in der Mehrheit im Interesse genau dieser Global Player agieren.
Das Tragische daran ist, dass die Masse aller Arbeitsplätze eben nicht von Großkonzernen gestellt wird. Über neunzig Prozent aller Arbeitnehmer ist in kleinen bis mittelständischen Unternehmen beschäftigt!
Das heißt, die öffentlichen Meinungsmacher und diejenigen, die unsere Politik und damit unsere Gesetzgebung beeinflussen, sind also nicht diejenigen, die die Quantität und die Qualität unseres Arbeitsmarktes maßgeblich beeinflussen könnten. Daraus folgt wiederum: Wollte man die Arbeitsbedingungen in Großkonzernen verbessern, müsste man sich mit diesen und natürlich mit Politikern hart auseinandersetzen! Hier wird sich nämlich ein klarer Interessenskonflikt entwickeln. Zwischen den Lobbyisten der Großkonzerne, die die politischen Amtsträger fest im Begriff haben und denjenigen Unternehmen, die den Großteil aller Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, nämlich den kleinen bis mittelständischen und zumeist inhabergeführte Unternehmen.

Nochmal: Die überwiegende Mehrheit der Arbeitsplätze wird nicht durch Großkonzerne gestellt! Zudem ist die grundsätzliche Frage zu stellen, ob Großkonzerne für einen attraktiven Arbeitsmarkt noch benötigt werden. Vielleicht wäre es an der Zeit, alle größeren Aktiengesellschaften daraufhin zu überprüfen, ob ihre internationalen Unternehmensziele noch mit unseren gesellschaftlichen Werten zu vereinbaren sind. Wir sollten mehr Fragen stellen! Parolen wie z.B. „Wir wollen mehr Gewinne, vorteilhaftere Gesetze, weniger Steuern und weniger Personalkosten, sonst wandern wir ab" müssen endlich beendet werden. Aus Angst um unsere Arbeitsplätze haben wir bislang mitgemacht. Jetzt wissen Sie allerdings, dass das alles gar nicht notwendig war. Wenn es um die Bereitstellung von Arbeitsplätzen geht, spielen Großkonzerne eine untergeordnete Rolle. Ich befürchte, dass unsere Politiker noch immer meinen, dass sie unsere großen deutschen Markennamen unterstützen müssen und dabei übersehen, dass diese bereits längst aufgehört haben als heimische Unternehmen zu agieren.

Ist es nicht an der Zeit sich einzugestehen, dass viele große deutsche Konzerne längst internationale Ziele verfolgen und im Besitz globaler Investoren sind und damit auf nationale gesellschaftliche Belange keine Rücksicht mehr nehmen können? Damit dürften Sie auch nicht mehr als „unsere Arbeitgeber“ betrachtet werden! Damit hätten Sie auch die Berechtigung verloren, auf entsprechende vorteilhafte gesetzliche Rahmenbedingungen zu pochen. Ist es nicht so, dass Großkonzerne vor der internationalen Konkurrenz warnen, aber gleichzeitig durch Beteiligungen oder ‚verdeckten’ Neugründungen hier schon längst als ‚ausländische Billiganbieter’ auftreten und damit ‚durch die Hintertür’ mitverdienen?

Eine breite Diskussion über dieses Thema wäre sehr hilfreich! Ein Unternehmen sollte sich in Zukunft entscheiden müssen und sich dahingehend eindeutig bekennen, ob es hauptsächlich globale oder heimische Interessen vertreten möchte. Ob bei uns erwirtschaftete Gewinne auch wieder bei uns investiert werden. Es kann nicht angehen, dass unserer Gesellschaft durch enorm hohe Unternehmensgewinne ständig Liquidität, das heißt Kaufkraft entzogen wird und diese Beträge in andere Märkte transferiert werden oder einfach in den Taschen internationaler Aktionäre verschwinden. Wenn ein Unternehmen von uns durch vorteilhafte Gesetze gefördert werden möchte, hat es auch in unserem Sinne, das heißt zum Gemeinwohl beizutragen! Es muss uns etwas zu bieten haben! Und mit „Bieten“ meine ich keineswegs die ‚abgedroschene’ Floskel „Schaffung von Arbeitsplätzen“. Statt von Arbeitsplätzen sollte endlich von Geldbeträgen gesprochen werden, die ein Unternehmen pro Arbeitnehmer und damit dem heimischen Konsum zur Verfügung stellt. Ein Arbeitsplatz, der nicht genügend Einkommen oder Arbeitszufriedenheit bietet, ist eine ‚Mogelpackung’, die niemand braucht!

Also hören wir ganz genau hin und sind misstrauisch, wenn jemand über das Thema „Schaffung oder Erhaltung von Arbeitsplätzen“ referiert. Womöglich handelt es sich dabei um Großkonzerne, die nur für maximal 10 Prozent des hiesigen Arbeitsmarktes sprechen können - und bleiben wir vor allem dann skeptisch, wenn wir noch nichts über die Konditionen der angeblich ’zu schaffenden Arbeitsplätze’ wissen. Wenn jemand ankündigt, er wolle Hunderte von Arbeitsplätzen schaffen, und nur ein Minimum davon geeignet ist, eine menschliche Existenz finanziell akzeptabel abzusichern, dann ist das reine Augenwischerei. Keinesfalls handelt es sich bei solchen Jobs um echte Arbeitsplätze, die diesen Namen auch verdienen. Das ist reine Show! Und unsere Politiker fallen darauf rein...

Mittwoch, 29. Juni 2011
Fachkräftemangel! Welche Arbeitnehmer/Bewerber profitierten davon?

Von Dieter L. Schmich
Das Zeitalter der Massenarbeitslosigkeit geht zu Ende. Aus demografischen Gründen bewegen wir uns auf einen dramatischen Arbeitskräftemangel zu. Für Arbeitnehmer sind das durchaus angenehme Aussichten. Für Karriereorientierte erst recht. Hingegen muss sich die Arbeitgeberseite einem Wandlungsprozess hinsichtlich der Personalbeschaffung unterziehen.
Noch vor wenigen Jahren stellte sich das Ganze umgekehrt dar. Die Privatwirtschaft sowie die öffentliche Hand genossen gegenüber ihren Angestellten aufgrund vergangener Wirtschaftskrisen eine machtvolle Position. Die denkbar schlechtesten Arbeitsbedingungen konnten bei bestehenden und neuen Beschäftigten problemlos durchgesetzt werden. Verunsicherte Mitarbeiter, die um ihren Arbeitsplatz bangten, oder der Eingang Hunderter von Bewerbungen auf eine einzige freie Stelle, machten dies möglich. Diese, aus Arbeitgebersicht komfortablen Zeiten, gehen aber langsam zu Ende.
Insbesondere strategisch und professionell arbeitende Unternehmen haben die Alarmglocken des Arbeitskräftemangels bereits läuten hören. Diese Arbeitgeber entwickeln inzwischen neue Strategien. Bessere Einstiegskonditionen und Arbeitsbedingungen sollen verhindern, dass qualifizierte Beschäftigte von der Konkurrenz abgeworben werden. Die Erkenntnis, dass die Belegschaft das wertvollste Gut eines jeden Unternehmens ist, zieht wieder in die Führungsetagen ein. Der Kampf um qualifiziertes Personal hat bereits begonnen. Allerdings gibt es einen kleinen Haken.
Unternehmen verstehen unter dem Begriff „Qualifikationen“ zumeist aktuelle Berufserfahrungen. Noch besser ist es, wenn es sich um Spezialkenntnisse handelt. Der sofort einsetzbare Könner ist gewünscht. Produktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die keine aufwendigen Einarbeitungszeiten benötigen, sind die idealen Bewerber.
Medien, Politik, die Bildungsindustrie und insbesondere die Masse der Bevölkerung dagegen versteht unter ‚Qualifikation‘ meist etwas anderes. Es wird dabei an ‚Bildung‘ gedacht. Gemeint sind Schulabschlüsse, Berufsausbildungen und Titel. Diese im Arbeitsalltag nicht erprobten Kenntnisse und Fähigkeiten sind natürlich auch heute noch ein wichtiges und unbedingt notwendiges Fundament, um erfolgreiche Karrieren realisieren zu können, sie reichen aber allein nicht aus, interessante Stellen zu ergattern. Die auf der Arbeitgeberseite zu beobachtende Überbetonung praktischer und vor allem einzigartiger Berufserfahrungen steht zu der allgemeinen Volksmeinung im Widerspruch.
Heute sind aktuelle Berufserfahrungen das Maß der Dinge. Und die Betonung liegt auf dem Wort ‚aktuell‘.
Die Leidtragenden dieses Praxistrends sind Ein-, Um- und Wiedereinsteiger/innen. Darunter fallen beispielsweise solche Jobsuchenden die gerade ihre Berufsausbildung oder eine Umschulung abgeschlossen haben. Dazu gehören auch diejenigen, die noch aktiv im Berufsleben stehen und ihren Tätigkeitsbereich oder ihre Branche wechseln möchten. Auch Mütter und Väter, die nach einer Familienpause den beruflichen Wiedereinstieg suchen, stehen vor einer ähnlichen Problematik. Ebenso gilt das für Arbeitslose, die schon längere Zeit nicht mehr im Arbeitsalltag stehen.
Während sich berufserfahrene Fachkräfte (derzeit: Handwerk, Technik, Naturwissenschaften, IT und Soziales) bereits über eine hohe Nachfrage von der Arbeitgeberseite freuen können, müssen sich Ein-, Um- oder Wiedereinsteiger/in noch ein wenig gedulden, bis auch Sie zum erlauchten Kreis der heißbegehrten Kandidaten und Kandidatinnen gehören können.

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